5 Prognosen zum Systems Engineering in 2018

Prognosen sind schwierig, besonders wenn sie die Zukunft betreffen. Auch wenn unklar ist, ob dieses Zitat von Karl Valentin, Mark Twain oder Winston Churchill stammt, es ist zweifellos richtig. Aber Prognosen machen Spaß. Bereits vor zwei Jahren stellte ich eine Liste auf, und nun ist es Zeit für eine neue.

1. Agilität schließt Hardware ein

Agilität hat sich längst in der Softwareentwicklung und auch im Requirements Engineering bewährt. Doch relativ neu ist, dass auch das Erstellen von fertigen Produkten Teil der agilen Zyklen ist. Zu diesem Thema hatte ich bereits in meinem Bericht zu WikiSpeed berichtet, einer Firma, die im Wochentakt Autos weiterentwickelt, baut und verkauft.

Das neue hierbei ist, dass nicht nur Prototypen entwickelt werden, sondern verkaufbare Produkte. Denn iterative Entwicklung mit Prototypen gibt es ja schon länger. Sicherlich wird es in vielen Organisationen bei Prototypen bleiben. Doch diese werden dem endgültigen Produkt immer ähnlicher werden.

Das effiziente Entwickeln von agiler Hardware erfordert Technologien, die sich erst in den letzten Jahren stabilisiert haben. Dazu gehören 3D-Drucker und generische programmierbare Steuergeräte, sowie kostengünstige Aktuatoren und Sensoren.

2. Künstliche Intelligenz in Produkten und der Entwicklung

Künstliche Intelligenz, oder Artificial Intelligence (AI) ist eines der aktuellen Buzzwords, denen man zur Zeit kaum entkommen kann. Das liegt unter anderem daran, dass AI vermehrt in Konsumerprodukten eingesetzt wird. jedoch werden wir AI auch vermehrt in der Entwicklung sehen.

Konkret gibt es heute schon Ansätze, mit AI automatisiert die Traceability der Entwicklungsartefakte anzulegen, zu pflegen und zu analysieren. AI kann helfen „Hot Spots“ zu identifizieren, also potentielle Problemzonen mit viel Veränderung. Ich gehe davon aus, dass wir hier in den nächsten Jahren viele spannende Entwicklungen sehen werden.

3. Modellierung und MBSE weiter auf dem Vormarsch

Auch über Modellierung wurde hier schon viel geschrieben. Es ist zwar kein wirklich neues Thema, aber es gibt zwei Entwicklungen, die hier für eine Beschleunigung der Durchsetzung sorgen werden:

Zum Einen werden Produkte immer komplexer, und Modellierung ist ein Ansatz, mit dem wir die Modellierung in den Griff zu bekommen. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Modellierung ist erst aber einer gewissen Komplexität positiv, während der Aufwand traditioneller Entwicklungsmethoden mit der Komplexität unproportional ansteigt. Doch inzwischen haben viele Produkte eine Komplexität erreicht, die MBSE attraktiv macht. Viele große Konzerne, wie Airbus, Ericsson, Daimler und Audio haben inzwischen öffentliche Statements zu MBSE gemacht.

Zum Zweiten sind die Modellierungswerkzeuge und -methoden inzwischen praxistauglich geworden. Lange Zeit wurde ernsthafte (formale) Modellierung nur in Forschung und Nischen wie Raumfahrt oder Bahntechnik eingesetzt. Die Vision von MBSE ist in einem von Willert produzierten Video zum Einsatz von IBM-Werkzeugen zu sehen. So leicht, wie es im Video aussieht, ist es in der Praxis natürlich nicht. Aber der Clip zeigt eindrucksvoll, wo die Reise hingeht. Auch der Aufkauf von NoMagic ist ein Zeichen, dass der Trend dorthin geht, die Aspekte des SE übergreifend zu modellieren.

4. Fachkräftemangel und unzulängliche Ausbildung verschärfen sich.

Ausbildung von Systems Engineers ist nach wie vor ein Problem. Es gibt zwar einige Studiengänge zu SE, als auch das INCOSE-Zertifikat. Diese helfen aber nicht, das Bewusstsein von SE in alle Bereiche der Entwicklung einfließen zu lassen. Diese Problematik hat Paul Schreinemakers gut auf den Punkt gebracht.

Eine Folge von mangelnden Ausbildungsmöglichkeiten, kombiniert mit hohen Anforderungen an neue Produkte resultiert in Fachkräftemangel. Auch wenn es in manchen Bereichen Unkenrufe zum sogenannten Fachkräftemangel gibt, ist dieser im SE real.

5. Security wird langsam ein integraler Bestandteil der Architektur.

Sicherheit, im Sinne von Security, wird sich weiter Verschärfen. Das hat natürlich etwas damit zu tun, dass immer mehr Geräte vernetzt werden. Eine gehackte Kaffeemaschine, die Spam verschickt oder Bitcoins schürft ist lediglich ärgerlich. Aber ein Auto, welches von Hackern übernommen wird, stellt ein ganz anderes Risiko dar.

Im Gegensatz zur funktionalen Sicherheit sind bei Security die Risiken, also die Sicherheitslücken, nicht bekannt. Und oft wird Sicherheit bei der Entwicklung erst im Nachgang angegangen, statt Security als einen integralen Bestandteil der Architektur zu sehen. Das wird sich ändern – aber sicher nicht in nur einem Jahr. Dieser Prozess wird viele Jahre dauern und schmerzhaft sein.

Was denken Sie?

Dies sind meine Prognosen. Was ist Ihre Meinung? Diskutieren Sie in den Kommentaren mit!

 

Dieser Artikel erschien zuerst bei se-trends.de.