Boris Gloger: Mit Agilität zur Kernfusion

Die Modern RE ist eine Konferenz, die dieses Jahr zum ersten Mal in Berlin stattfand. Die Konferenz nimmt Ihre Existenzberechtigung zum einen aus dem Standort Berlin, wo bisher meines Wissens nach sich noch keine RE-Konferenz angesiedelt hat. Zum anderen hat sie den Anspruch, dass sich RE neu erfinden muss, was der Zusatz „Modern“ zum Ausdruck bringt. Ob die Konferenz diesem Anspruch genügen wird, kann nur die Zeit zeigen. Es fanden sich ca. 150 Teilnehmer zu dieser Veranstaltung ein. Im Folgenden gibt es eine Zusammenfassung der Keynote von Boris Gloger, dessen Firma auch Goldsponsor der Modern RE war. Die Keynote hatte den etwas langen Titel „Warum die Digitalisierung nicht ohne soziale Technologien funktioniert – oder warum Moderne RE vielmehr eine soziale Innovation als eine Veränderung im Prozessmodell ist.“

Leider konnte ich selbst nur für einen halben Tag an der Konferenz teilnehmen. Insofern würde ich mich freuen wenn Besucher der Konferenz im Kommentarbereich kurz ihre Eindrücke hinterlassen würden.

Nicht neu, aber wichtig

Was Boris Gloger erzählt ist nicht wirklich neu, er hat es aber unterhaltsam rübergebracht: RE ist eine soziale Angelegenheit, und daher sind es auch die sozialen Technologien, die das RE modern machen. Aufgehängt hat er seinen Vortrag am Thema Kernfusion, zu welchem er als Physiker eine gewisse Affinität hat. Zum Auftakt zeigte er ein Image-Video der TRI Alpha energy, einer Firma aus Los Angeles, die seit 17 Jahren an erschwinglicher, sauberer Kernfusion arbeitet. Dabei bedient sich die Firma der in Silicon Valley etablierten Methoden. Seit Ihrer Gründung hat die Firma 50.000 Experimente durchgeführt.

Um zu zeigen, wie das möglich ist, führte Boris mehrere Bewegungen auf, die in den letzten 20 Jahren die Softwareszene nachhaltig beeinflusst haben: Pragmatismus, Craftsmanship, sowie der Vergleich der Entwicklung mit (klassischer) Architektur und Gärtnerei. Dabei stellt er fest, dass Ingenieure sich oft selbst im Weg sind: Viele der funktionierenden Ansätze sind vage und analog, wie die klassischen Karteikarten, über die „Stories“ erfasst werden. Aber trotz (oder wegen) dieser Eigenschaften funktionieren sie. Doch dann kommen die Ingenieure und bauen Werkzeuge, was ja grundsätzlich nicht verkehrt ist. Das wiederum führt zu Auswüchsen, wie zum Beispiel Stories, die die Länge einer ausgewachsenen Spezifikation annehmen.

Immer wieder versucht das Engineering Mindset, die Kontrolle zu übernehmen (Boris Gloger) Twittern

Vieles von dem was ich hörte, erinnert mich an das, wovon ich vor ca. 6 Monaten berichtet hatte: Als Keynote der ReConf stellte Joe Justice das Konzept von Extreme Manufacturing vor. Mit seiner Methode entwickelt, testet und verkauft er Autos im Wochentakt. Es sind die selben Techniken und Ansätze. Während es bei Joe Justice um das Machen und Umsetzen ging, versuchte Boris Gloger, die Wirkweisen zu untersuchen. Mit diesem Thema hat er sich nun schon viele Jahre auseinandergesetzt und das Wissen in seinen Büchern festgehalten. Boris Gloger betonte, wie wichtig es ist, die fachlichen Anforderungen von den Rahmenbedingungen des Projekts zu trennen. Joe Justice setzte genau dieses Konzept ein, um das Fahrzeug in Komponenten herunterzubrechen, die dann von unabhängigen Teams umgesetzt werden konnten.

Alles in allem können diese Konzepte nicht oft genug wiederholt werden, insofern war diese Keynote ein guter Start in die Konferenz. Mit dieser Keynote zeigte Boris Gloger die Ideen, die sich nun schon seit mehreren Jahren immer mehr etablieren, nicht zuletzt dank der Bücher, die er zu dem Thema geschrieben hat. Wirklich neu sind diese Ideen daher auch nicht. Aber wie so oft kommt es beim Erfolg auf die Umsetzung an. Und hier hat Boris Gloger einen schönen Beitrag geleistet. Ein erfrischendes Highlight waren auch die Folien, die mit Tusche und Aquarell erstellt waren, wie oben zu sehen ist.

Ich bin gespannt aus dem Kreis der Bekannten und Kollegen zu hören, wie die restlichen Vorträge der Modern RE aufgenommen wurden.

Bild: Boris Gloger

Dieser Artikel erschien zuerst bei se-trends.de.