Ein erster Blick auf Papyrus for Information Modeling (mit Video)

Vor einer Weile versprach ich, einen Blick auf das Neon-basierte Papyrus zu werfen. Wie viele bereits wissen, ist Papyrus ein Eclipse-Projekt für die UML-Modellierung. Ich habe schon mehrfach über Papyrus berichtet. und versprach Mitte des Jahres, es mir etwas genauer anzuschauen. Hier gibt es die ersten Eindrücke von Papyrus for Information Modeling.

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Videotour Papyrus IM

Das folgende Video gibt eine kurze Tour durch Papyrus IM. Es wird ein Beispielprojekt installiert und angeschaut, sowie ein neues Papyrus-Projekt angelegt.

(Direkter Link zum Video)

Software oder Framework?

Papyrus hat sich im letzten Jahr deutlich als Framework positioniert, welches für eigene Entwicklungen konsumiert werden kann. So wurde es übrigens in den vergangenen Jahren eingesetzt, als Teil von anderen Werkzeugen wie Topcased, OPEES, PolarSys oder openETCS. Dennoch ist den Entwicklern klar, dass es potentiellen Nutzern möglich sein muss, Papyrus zu evaluieren. Zur Zeit die beste Möglichkeit dazu ist Papyrus for Information Modeling (Papyrus IM), welches eine eigenständige, angepasste Modellierungsumgebung darstellt.

Papyrus for Information Modeling

Papyrus IM ist, wie der Name schon sagt, eine angepasstes Papyrus. Das bedeutet in diesem Fall insbesondere, dass die GUI drastisch reduziert wurde. Eine immer wiederkehrende Kritik an Papyrus war, dass aus den vielen Menüeinträgen, Toolbaricons und Properties schwer zu erkennen ist, was für das aktuelle Projekt von Bedeutung ist. Mit Papyrus IM wurde alles versteckt, was für Informationsmodellierung nicht benötigt wird.

Was mit „Informationmodellierung“ genau gemeint ist, wird durch die Auflistung der Unterstützten Modellelemente implizit definiert. Kurz zusammengefasst, es werden lediglich UML-Klassendiagramme unterstützt.

Download, Installation und Dokumentation

Auf der Papyrus Download-Seite sind zwei Versionen verfügbar: Die stabile 0.7.0, basierend auf Mars, und der Development Build, basierend auf Eclipse Neon. Ausprobiert habe ich den Development Build. Die Installation bestand aus dem Auspacken einer 250MB ZIP-Datei, wie bei Eclipse üblich.

Papyrus IM liefert über das Eclipse-Hilfe-System das inzwischen umfangreiche Papyrus-Handbuch mit, welches aber weder IM-spezifisch ist, noch sonderlich aktuell (es finden sich Referenzen auf Kepler). Das ist aber trotzdem besser als das, was viele andere Open Source-Werkzeuge bieten.

Nach ein bisschen Suchen findet sich auch IM-spezifische Hilfe: Über die Welcome-Screen (Help | Welcome) lassen sich über das Menü rechts oben „Tutorials“ aufrufen, und darunter Information Modeling | Getting Started. Darunter befindet sich ein kurzer Überblick über die GUI und das Modellieren von Klassen und Assoziationen.

Erster Eindruck

Das Video oben vermittelt ja schon einen kleinen Eindruck von Papyrus IM. Es ist sichtbar, dass sich in den letzten Jahren einiges bezüglich Benutzbarkeit und Performance getan hat.

Mit Papyrus IM können nur Klassen modelliert werden. Das jedoch geht dank der Reduzierung der GUI relativ flink von der Hand. Das Modell kann validiert werden, und das Ergebnis der Validierung unter anderem mit Markern direkt im Modell angezeigt.

Ein Modell anzulegen ist natürlich nicht genug. Im Video ist zu sehen, wie Diagramme als Bilder exportiert werden können, aber das ist nur die primitivste Art der Verwertung eines Modells. Eclipse IM unterstützt OCL und Validierung, was eine große Hilfe beim Modellieren sein dürfte.

Laut Projektangaben gibt es viele Erweiterungen, von Dokumentengenerator bis zum Codegenerator. Eine gute Unterstützung von Versionskontrolle (einschließlich Modellvergleich), sowie die Möglichkeit, das Modell über mehrere Dateien zu verteilen, rundet das Bild ab.

Für viele Anwendungen reicht es natürlich nicht, nur Klassen zu modellieren. Ich sehe zwei Einsatzbereiche von Papyrus IM: (1) Man kann damit schnell ein Domänenmodell erstellen, welches mehr als „nur ein Bild“ ist. (2) Papyrus IM ist für eine schnelle Evaluierung von Papyrus gut geeignet. Für mehr muss gezielt nachinstalliert und angepasst werden.

Bild: Pedro Lastra / Unsplash

Dieser Artikel erschien zuerst bei se-trends.de.

One Pingback/Trackback

  • pica

    Hallo Michael,
    mit GenDoc (https://www.eclipse.org/gendoc/) können mittels OMG MOFM2T Transformation Word oder Open-/LibreOffice Writer Dokumente erstellt werden. Ist zwar offiziell nur Version 0.6.0 funktioniert jedoch schon gut.
    Ach ja, GenDoc basiert auf Eclipse Obeo Acceleo. Entsprechen können mit Acceleo mit der identischen OMG MOFM2T Transformation Sysntax sowohl Dokumente als auch andere Artifakte aus dem Modell erzeugt werden.
    Für mich mehr usabilty als bunte Farben 😉
    Beste Grüße,
    Carsten

    • Hallo Carsten,
      Klingt gut, werde ich mir bei Gelegenheit mal anschauen. Da hatte ich für diesen Kurz-Review noch keine Zeit zu.

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