Mit Effizienz an der falschen Sache arbeiten

Was ist der Unterschied zwischen Effizienz und Effektivität? Wer Effizient ist, hat einen hohen Wirkungsgrad, schafft also viel pro Zeiteinheit. Jemand der effektiv ist, kommt dem Ergebnis näher. Aber was hat das mit Systems Engineering zu tun? Ganz einfach: Gerade durch die Komplexität im Systems Engineering kann man schnell effizient sein, ohne effektiv zu sein.

Im Systems Engineering passiert es schnell, dass man effizient ist, ohne effektiv zu sein.

Effizienz bedeutet, die Dinge richtig zu tun, zum Beispiel ein korrektes Modell zu erstellen, oder Softwarecode zu produzieren. Gerade in großen Teams und großen Projekten muss man sich die Frage stellen, ob das Ergebnis überhaupt benötigt wird. Denn effektiv bedeutet, die richtigen Dinge zu tun. Wenn also das Modell nicht benötigt wird (oder nicht in der gegebenen Form), oder der Code niemals ausgeführt wird, dann ist es irrelevant, wie korrekt das Modell ist oder wie gut der Code.

Im Systems Engineering gibt es diesbezüglich zweierlei Gefahren:

Gefahr der Selbstbeschäftigung

Wenn man sich mit Standards wie der ISO 15288 auseinandersetzt, dann wird man mit einer großen Anzahl von Prozessen konfrontiert. Gerade bei kleineren Projekten darf man nicht glauben, dass all diese auch aufwendig umgesetzt werden müssen. Zum Beispiel gibt es den „Architecture Definition Process.“ Wenn sich nun die Architektur aus einem kurzen Gespräch ergibt, zum Beispiel weil diese durch ein Altsystem oder die Nutzung eines Frameworks schon vorgegeben ist, dann muss hier kein Prozess definiert werden, kann hier ein Satz ausreichen (bspw. im Projekttagebuch). Dieser Gefahr kann man mit zwei Werkzeugen leicht begegnen: Vernunft und etwas Nachdenken.

Gefahr, die Übersicht zu verlieren

Die zweite Gefahr ist es, die Übersicht zu verlieren. Wenn der Architekt zum Beispiel nicht von einer neuen Anforderung erfährt, die signifikante Auswirkungen auf die Architektur hat, dann arbeitet er möglicherweise noch wochenlang an einer Lösung, die eigentlich schon obsolet ist. Das ist ein klassischer Fall von Effizienz ohne Effektivität und sollte tunlichst vermieden werden.

Lösung: Validierung und Änderungsmanagement

Bei der Validierung – im Gegensatz zur Verifizierung – geht es um die Prüfung, ob das richtige Produkt gebaut wird. Und dies ist ein wichtiger Prozess nach ISO 15288. (Bei der Verifizierung geht es um die Frage, ob das Produkt richtig gebaut wird). Ein guter Validierungsprozess stellt sicher, dass effektiv gearbeitet wird.

Aber Anforderungen ändern sich. Daher ist es wichtig, dass bei Änderungen die richtigen Dinge erneut validiert werden. Wenn also die relevanten Dinge erstmalig und bei jeder Änderung validiert werden, dann können haben wir einen wichtigen Schritt in Richtung Effektivität gemacht.

 

Dieser Artikel erschien zuerst bei se-trends.de.

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