ESE-Kongress 2017

Diese Woche hatte ich das Vergnügen, zumindest an einem Tag des 10. ESE-Kongresses in Sindelfingen teilnehmen zu dürfen. Ich durfte am Dienstag gleich zwei Vorträge halten, zur Modellierung von Anforderungen und zu ReqIF.

Der ESE-Kongress wurde von Peter Siwon ins Leben gerufen, den ich in der Vergangenheit für diesen Blog interviewt hatte. Um es vorwegzunehmen: Die Veranstaltung hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Das Themenspektrum

Wie der Name schon sagt, geht es beim Embedded Software Engineering Kongress primär um Software, die auf Steuergeräten läuft. Dazu gehören zum einen die Themen, mit denen ich mich auch auseinandersetze: Anforderungen, Modellierung, Methoden, Funktionale Sicherheit, etc. Es gab aber auch Themen, mit denen ich mich normalerweise nur am Rand beschäftige, wie Hardware (Steuergeräte), Betriebssyteme, Programmiersprachen, usw. Für mich ist es immer wieder spannend, über den Tellerrand zu schauen.

Doch die Themen Modellierung und Anforderungen waren groß genug, um jeweils einen eigenen Track zu rechtfertigen. Dominierende Themen haben mehrere Tracks belegt, dazu gehörten Implementierung, Management, Safety, Security, Automotive, sowie Test & Qualität.

Modellierung von Anforderungen

Mein Vortrag zur Praxiserprobten Anforderungsmodellierung wurde in den Modellierungstrack gelegt und sorgte mit ca. 150 Teilnehmern dafür, dass einige Teilnehmer stehen mussten. Das Thema ist offensichtlich aktuell, und passte gut zur Software-Anforderungsanalyse mit der UML von Thomas Batt und Ein Modell sagt mehr als 1000 Bilder von Andreas Willert.

Requirements Interchange Format

Bei meinem zweiten Vortrag ging es um Verlustfreie Anforderungen – das Wichtigste zu ReqIF. Wie viele Leser wissen, beschäftige ich mich schon seit über zehn Jahren mit ReqIF, dem Requirements Interchange Format. Dabei handelt es sich um ein standardisiertes Austauschformat für Anforderungen. Dieses Format ermöglicht sowohl für die durchgängige Nachverfolgung zum Zulieferer (und zurück), also auch das Verzahnen von Anforderungen mit anderen Artefakten der Systementwicklung. Mehr Informationen habe ich in meiner Wissensbibliothek zusammengestellt, der ReqIF.academy.

Benzinverbrauch: 3700 km pro Liter

Da ich die Konferenz nur für einen Tag besucht hatte, konnte ich lediglich eine Keynote mitnehmen: Von London nach Rom und zurück – mit nur 1 Liter Benzin von Marco Schmid. In diesem Vortrag ging es um den Shell Eco-Marathon, für den die Fimra Schmid innerhalb von 10 Wochen ein Live-Telemetriesystem entwickelt hatte. Auch wenn ich bei Konzern-gesponserten Inhalten erst einmal vorsichtig bin, so merkte man doch, dass Marco Schmid von Begeisterung nur so sprühte. Und das war sicherlich auch eine der wichtigsten Zutaten für den Projekterfolg, der hier beschrieben war.

Neben der Idee und der Begeisterung des Eco-Marathons ging es natürlich auch um die Technik. Während die erste Version des Geräts noch in einem recht großen Standardgehäuse untergebracht werden musste, so war die dritte Generation bereits eine stromlienienförmige kleine Maus, die auf den Fahrzeugen montiert wurde. Bei den Teams handelte es sich um Studenten, die diese auf ihre Fahrzeuge montierten und intern die Sensorik anschlossen.

Leider wurde nur recht oberflächlich auf die Details der Entwicklung eingegangen. Das 10köpfige deutsche Team arbeitete mit weiteren Kollegen in diversen Ländern zusammen, und es wurde auf eine Microservice-Architektur gesetzt, wodurch die Teams weitgehend unabhängig arbeiten konnten.

Spaß beim Kickern

Abgerundet wurde der Abend durch die Entwicklerparty, bei der auf extralangen Tischen noch ein Kickertournier abgehlten wurde.

Alles in Allem eine runde Sache, und ich freue mich schon auf den ESE-Kongress nächstes Jahr.

Dieser Artikel erschien zuerst bei se-trends.de.