Interview mit Tim Weilkiens zu SysML

Tim Weilkiens sollte allen, die mit SysML arbeiten, ein Begriff sein. Er ist Autor mehrerer Bücher über Modellierung und ist Co-Entwickler des OMG-Standards SysML. Weiterhin ist er Vorstand der oose, einem Beratungsunternehmen aus Hamburg. Mit SYSMOD hat er eine Toolbox für die Systemmodellierung geschaffen, die sich gut mit SysML einsetzen lässt.

Auf der ReConf 2016 führte ich ein Gespräch mit Tim Weilkiens:

Du hast maßgeblich am SysML-Standard mitgewirkt, und vertrittst diesen auch bei der OMG. Wie wird SysML heute von der SE-Community wahrgenommen? Wie weit hat sich SysML beim MBSE etabliert?

Nun, um Systementwicklung zu praktizieren benötigt man nicht unbedingt SysML, unabhängig davon, ob modelliert wird oder nicht. Der Impuls für SysML kam von Kunden, die UML für die Systemmodellierung einsetzen wollten. Das war vor etwa dreizehn Jahren. Am Anfang gab es relativ viel Hype, der dann aber abebbte. Inzwischen ist das Interesse wieder gestiegen. Aber die Modellierungssprache ist ja zweitrangig, da es eher darum geht, wie sie eingesetzt wird.

SysML selbst ist ja auch noch sehr in Bewegung. Beispielsweise mit SysML 1.3, die 2012 veröffentlicht wurde, gab doch einige größere Änderungen. Außerdem habe ich das Gefühl, dass viele Aspekte von SysML noch nicht von allen Nutzern gut verstanden werden, selbst so scheinbar einfache Dinge wie Assoziationen.

Eine Community um SysML kann ich nicht wirklich erkennen. Natürlich gibt es Aktivitäten bei der GfSE und anderen Gruppen, aber es ist alles noch sehr im Anfangsstadium.

SysML selbst wird kaum noch in Frage gestellt, wenn es um MBSE geht. Durch die gute Werkzeugunterstützung ist das in der Regel gesetzt, und Nutzer können sich auf die wichtigen Themen wie Methodik konzentrieren.

Wirklich erfunden habe ich SYSMOD nicht. Ich habe einfach nur das zusammengetragen, was praktiziert wird und funktioniert. Ich bin also der Herausgeber von SYSMOD, aber nicht der Erfinder.

Du hast in Deinem Buch „Systems Engineering mit SysML/UML“ schon im Jahr 2006 die SYSMOD-Methode vorgestellt. Nun hast Du, fast 10 Jahre später, ein eigenes Buch über SYSMOD herausgebracht. Kannst Du kurz in eigenen Worten umreißen, was SYSMOD ist? Wer sollte SYSMOD einsetzen? Wie ist die Akzeptanz von SYSMOD?

Wirklich erfunden habe ich SYSMOD nicht. Ich habe einfach nur das zusammengetragen, was praktiziert wurde und funktionierte. Insofern ist für mich SYSMOD keine Methode oder Prozesswerk, sondern eine Sammlung von bewährten Techniken in der Modellierung mit SysML.

Ich finde, man könnte SYSMOD mit Design Patterns vergleichen, also einer Sammlung von großen und kleinen Taktiken und Strategien, um typische Probleme zu lösen. Passt diese Analogie?

Ja, das ist ein guter Vergleich. Die Toolbox lebt und sollte kontinuierlich erweitert und angepasst werden.

Ich hatte das SysML-Buch damals auf deutsch geschrieben. Später wurde die erste Auflage dann nach Englisch übersetzt, die folgenden Auflagen jedoch nicht. Das war insofern schade, da neue Erkenntnisse und Ideen nicht übernommen wurden, jedenfalls nicht in der englischen Version. Daher habe ich das neue Buch auch im Eigenverlag bei Leanpub veröffentlicht. Es ist als Ebook verfügbar und es ist möglich, das Buch dort regelmäßig zu aktualisieren. Diese bekommen auch Leser, die das Buch bereits gekauft haben. Ich habe vor, das Buch ein- bis zweimal im Jahr zu aktualisieren.

Wie weit SYSMOD eingesetzt wird, weiß ich nicht. Aber in den meisten Fällen findet ja eine Anpassung der Vorgehensweise statt. Selten bleibt dabei die Bezeichnung SYSMOD hängen, aber das ist ja auch gar nicht wichtig.

Seit relativ kurzer Zeit gibt es in Deutschland das SE-ZERT, also die SE-Zertifizierung der INCOSE (SEP) in der deutschen Sprache. Dies wird ja auch von oose angeboten.  Wie ist die Resonanz von Entscheidern und Ingenieuren?

Wir bekommen deutlich mehr Resonanz als ich erwartet hatte. Insbesondere besteht viel Interesse an dem Vorbereitungstraining. Immerhin erfordert das Training einen nicht unerheblichen Zeitaufwand. Aber Organisationen finden nicht nur das Zertifikat wichtig, sondern achten auch sehr darauf, dass das zertifizierte Wissen auch vorhanden ist und im Projekt angewendet werden kann.

Organisationen achten auch sehr darauf, dass das zertifizierte Wissen im Projekt angewendet werden kann.

Was sind Deine Pläne für die Zukunft?

Ein Thema, das mich schon länger beschäftigt, ist Variantenmanagement. Das ist mit SysML zwar möglich, aber nicht ganz einfach. Dazu schreibe ich gerade ein Buch, dass ich ebenfalls bei Leanpub in meinem Verlag MBSE4U veröffentliche: Variant Modeling with SysML.

Dieser Artikel erschien zuerst bei se-trends.de.

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