Modellieren auch im großen Maßstab: Das 2. Modeling Craftsmanship Camp

Am vergangenen Samstag fand das zweite Modeling Craftsmanship Camp statt, dieses Jahr in Minden. Der Fokus von dieser Veranstaltung soll der handwerkliche Aspekt der Modellierung sein. Wie bei einem Barcamp üblich, wurden die Themen erst bei der Eröffnung zusammen mit den Teilnehmern zusammengestellt. Die Themen dieses Jahr waren weit gefächert und betrafen  Kapselung, Methodik, Strukturen und vieles mehr. Manche Themen waren allgemein gehalten, andere fokussierten sich auf bestimmte Themen (bspw. Embedded) oder waren werkzeugspezifisch: Es wurde viel über Enterprise Architect disktuiert, und es gab auch eine Live-Demo mit Enterprise Architect. Ach Randthemen wurden behandelt, wie der Aufbau einer Online-Community, und sogar das Thema über die Vielfalt im Engineering.

Doch ein roter Faden zog sich durch die Veranstaltung: Wie kann man auch große Modelle handwerklich in den Griff bekommen?

Skalieren von Modellen

Mehrere Sessions beschäftigten sich mit dem Skalieren von Modellen, auf unterschiedliche Weise. Zum einen gab es mehrere Sessions, die sich ganz konkret mit der Modellorganisation im Werkzeug auseinandersetzen. Dabei wurde mehrfach darauf hingewiesen, dass die Bedeutung einer gute Modellstruktur nicht unterschätzt werden darf. Dazu wurden konkrete Strukturen des Modellbaums betrachtet. In diesem Zusammenhang kam auch SYSMOD auf, welches sich ja als „Werkzeugkasten für Modellierer“ sieht, und auch konkrete Vorschläge für den Modellbaum macht.

Auch der Aspekt Komponenten / Schnittstellen / Black-Box-Denken wurden angesprochen, die ebenfalls eine Skalierung ermöglichen. Konkret wurde das Beispiel angebracht, wie sich das auf den Zustandsraum auswirkt: Ein System mit vier binären Zustandsvariablen kann 16 Zustände annehmen. Wird dieses System jedoch in zwei geteilt, so hat man zwei Systeme mit jeweils vier Zuständen, also insgesamt nur acht. Voraussetzung ist natürlich, dass die zwei Systeme sauber gekapselt sind und eine saubere Schnittstelle haben.

Community & Ausbildung

Passend zum vorhergehenden Punkt wurde bemängelt, dass Modelle in der Lehre selten realistisch sind: Zu klein, die Projekte zu kurz, usw. Das ist natürlich nicht nur auf Modellierung beschränkt, sondern ist ein generelles Problem in der Lehre. Es gab auch eine eigene Session zu dem Thema, und es wurde intensiv in den Pausen diskutiert

Bezüglich Community ging es konkret auch um die Zukunft von modelingcraftsmanship.com. Diese Domäne ist der Anlaufpunkt für die Modeling Camps, aber darüber hinaus ist dort noch nicht viel zu finden. In der Session ging es darum herauszufinden, welche Inhalte für Modellierer Interessant sein könnten. Es kristallisierte sich heraus, dass eine Bibliothek von guten Modell-Beispielen ein interessanter Weg sein könnte, etwa in der Form eines Wikis von Modell-Mustern.

Ebenfalls passend zum Thema Community bekam jeder Teilnehmer eine Modeling Craftsmanship Camp-Tasse.

Wo sind die Frauen?

Nicht zuletzt durch das kürzlich bei Google zirkulierte Paper zu dem Thema, wurde auch zum Thema „Vielfalt eine Session organisiert. Der Untertitel der Session war „Wo sind die Frauen?“, was auch deswegen ironisch war, weil nicht eine einzige Frau am Camp anwesend war. Leider konnte ich an dieser Session nicht teilnehmen. In diesem Zusammenhang finde ich die Reaktion im Economist sehr aufschlussreich.

Genug Modelle?

Es gab am Ende des Camps eigentlich nur einen größeren Kritikpunkt: Es gab eigentlich gar keine Modelle zu sehen. Da es eigentlich um das Handwerkliche geht, ist dieser Einwand durchaus berechtigt. Andererseits ist das auf die Teilnehmer selbst zurückzuführen – schließlich haben diese die Themen mitgebracht. Natürlich hätten wir (die Organisatoren) auch im Vorfeld den Fokus noch mal schärfen können. Interessant war diesbezüglich, dass sich letztes Jahr, auf die Initiative von Phil Alder im Vorfeld schon eine kleine Diskussion online abgespielt hat. Das ist eine Idee, die wir nächstes Jahr vielleicht wieder aufgreifen werden. Vielleicht haben wir bis dahin ja auch schon eine lebendige Community unter modelingcraftsmanship.com.

Dieser Artikel erschien zuerst bei se-trends.de.

One Pingback/Trackback

  • pica

    nochmal ein großes Danke an Stephan Dankers, Michael Jastram und Matthias König für die Organisation des Workshops. Wie der erste Modeling Craftsmanship Camp war dieser Workshop ein Nehmen und Geben auf Gegenseitigkeit in äußerst angehmer Atmosphäre. Ich konnte Wissen einbringen und vom Wissen anderer provitieren.

    Danke,
    Carsten

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