Warum wir beim Modellieren zwischen Lesen und Schreiben unterscheiden müssen

Im Systems Engineering wird oft modelliert. Und das bedeutetet, dass die Stakeholder die Modellierungssprache lernen müssen. Dazu wird dann oft geschult. Doch es kann ein großer Fehler sein, allen Stakeholdern die selbe Schulung zu verpassen. Warum? Weil sich Lesen und Schreiben von Modellen drastisch voneinander unterscheiden.

Modellieren ist schwer…

Modellieren ist schwer. Zunächst muss die Modellierungssprache wirklich verinnerlicht werden. Mit der Sprache ist es noch nicht getan, denn bei der Modellierung kommt immer auch eine Methodik zur Anwendung, die beschreibt, wie die Sprache eingesetzt werden soll. Und nicht zuletzt muss auch das Modellierungswerkzeug beherrscht werden, um effizient arbeiten zu können. Aber in der Praxis sind es gar nicht so viele Stakeholder, die Modellieren, typischerweise 10% – 20%.

…aber Modelle lesen ist leicht

Die meisten Stakeholder, 80% – 90%, müssen Modelle lediglich lesen können. Das bedeutet, dass sie die Sprache kennen müssen, aber nicht unbedingt in der selben Tiefe wie die Modellierer. Die Methodik ist für die Leser ebenfalls zweitrangig. Bleibt nur noch die Werkzeugfrage. Aber hier ist es nicht ungewöhnlich, dass die Leser diese gar nicht benutzen, sondern generierte Dokumente lesen.

Die Leser nicht frustrieren

Nun wird vielleicht klar, warum es gerade bei den Schulungen wichtig ist, Leser und Modellierer unterschiedlich zu behandeln. Die Leser können leicht von einer Schulung abgeschreckt werden, die versucht, Modellierung zu vermitteln. Abgesehen davon ist eine Lese-Schulung deutlich kürzer und damit auch günstiger.

Selbst bei den Modellierern kann man differenzieren: Denn Sprache, Methode und Werkzeug können eigentlich nicht in einem Crashkurs vermittelt werden. Daher sollte die Modellierungschulung auch nicht versuchen, dies zu tun. Statt dessen nehmen erfolgreiche Teams einen erfahrenen Experten ins Team, der die Modellierung begleitet. Es ist durchaus sinnvoll und üblich, dass dieser Experte auch die Modellierungsschulungen durchführt.

Dokumentengenerierung

Um das Ergebnis weiter zu verbessern ist es empfehlenswert, frühzeitig in eine gute Dokumentengenerierung zu investieren. Denn die meisten Leser fühlen sich mit einem linearen Dokument wohler als mit einem Werkzeug. Wenn das die Dokumentengenerierung frühzeitig steht, kann diese auch für die Lese-Schulung herangezogen werden, was die Akzeptanz noch weiter erhöht.
Wenn beispielsweise mit internen Blockdiagrammen (IBDs) gearbeitet wird, dann würden die IBDs als Teil des Dokuments ausgeneriert werden. In der Schulung würden die Leser dann sowohl die Dokumentenstruktur kennenlernen als auch die Modellelemente, die für die Generierung herangezogen werden.PragmatikLetzten Endes ist es wichtig, einen pragmatischen Ansatz zu fahren. Das ist mir in der Vergangenheit bei mehreren Projekten gelungen, worüber ich in zukünftigen Ausgaben auch berichten werden. Wenn Sie pragmatische Unterstützung bei der Einführung von Modellierung brauche, sprechen Sie mich gern an.

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Dieser Artikel erschien zuerst bei se-trends.de.

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