Neue Architekturen im Systems Engineering

Dieser Artikel wurde von Peter Siwon inspiriert, der sich zu dem Thema in der Vergangenheit im Kontext der Embedded-Entwicklung ausgelassen hat.

Der Fachartikel von Peter Siwon trägt den Titel Projektmanagement: Trends in der Embedded-Softwareentwicklung hat einen anderen Fokus als dieser Blog. Dennoch sind viele der Gedanken auch für das Systems Engineering relevant, und die identifizierten Trends sind auch im SE zu finden, auch wenn sie sich dort anders manifestieren.

Doch zunächst kurz zum Thema Architektur: Diese befähigt Skalierung und Wiederverwertung, wichtige Themen, um schnell auf den Markt reagieren zu können. Hier zügig auf Trends zu reagieren kann einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil bedeuten.

Neue Komponentenarchitekturen

Um ganz unten anzufangen: Die Bausteine, aus denen sich Systeme zusammensetzen, unterscheiden sich zum Teil grundlegend von dem, was vor ein paar Jahrzehnten Stand der Technik war. Peter Siwon geht hier insbesondere auf die Prozessorarchitekturen ein, in diesem Fall Multicore, der im Embedded-Bereich Einzug hält. Diesen Trend möchte ich jedoch ausweiten. Additive Herstellungsverfahren („3D-Druck“) ermöglichen andere Architekturen; ebenso Microservices in der Softwareentwicklung. Es lohnt sich, sorgfältig die „kleinsten Einheiten“ zu betrachten und zu analysieren, ob neue Architekturen diese nachhaltig beeinflussen.

Interdisziplinäres Arbeiten

Zu diesem Thema habe ich kürzlich im IREB-Magazin einen Artikel veröffentlicht: What is a Useful Perspective in Considering Requirements Engineering Relative to Systems Engineering? In dem Artikel geht es darum, dass oft nicht klar verstanden wird, was „disziplinübergreifend“ überhaupt bedeutet. Dabei muss zwischen Inter- Multi- und Transdisziplinär unterschieden werden. Ohne hier ins Detail zu gehen: Es ist notwendig, die eigene Disziplin unter Berücksichtigung der anderen Disziplinen in die Entwicklung einzubringen. Wenn dies nicht explizit forciert wird, kann dies schnell unter den Tisch fallen.

Altlasten abwerfen

Bei etablierten Firmen ist die Versuchung groß, schrittweise Veränderungen anzugehen. Und am Ende kommen doch „nur“ kosmetische Verbesserungen dabei heraus. Ein gutes Beispiel ist die Automobilindustrie: Was Firmen wie Daimler und Audi öffentlich in Keynotes beschreiben, ist eine iterative Verbesserung des Status Quo. Aber auf diesem Weg ist es nicht möglich, zu einer Architektur wie etwa der von Tessla zu gelangen (wie in dieser Keynote beschrieben wurde). Die Zeit wird zeigen, ob das reicht oder nicht.

Fazit

Die Welt ändert sich zur Zeit gewaltig. Während die Mischung von Elektronik und Mechanik (Mechatronik) inzwischen gut verstanden ist, sorgt die Präsenz von Software, kombiniert mit Vernetzung, für gewaltige Veränderungen. Bewährte Technik sollte natürlich nicht aus dem Fenster geschmissen werden. Aber neue Herausforderungen erfordern neue Architekturen. Auf einer Architektur zu verweilen, die die Anforderungen der heutigen Systeme nicht erfüllt, kann fatal sein.

Photo by louis amal on Unsplash

Dieser Artikel erschien zuerst bei se-trends.de.