Warum die Band OK Go sich mit Systems Engineering beschäftigt

Die Band OK Go hat es in den letzten Monaten mehrmals geschafft, Videos zu produzieren, die viral im Internet kursierten. Dazu gehörte ein im Parabelflug aufgenommenes Video, welches in scheinbarer Schwerelosigkeit stattfindet, oder ein 4-Minuten-Video, welches in 4.2 Sekunden aufgenommen wurde.

Was das mit Systems Engineering zu tun haben soll? Das werde ich im Folgenden erörtern.

Inspiriert wurde dieser Beitrag von dem TED-Talk „How to find a wonderful idea“, in dem OK Go erörtert, woher die ganzen Ideen kommen. Denn viele Fans der Gruppe fragen sich, wie diese ganzen verrückten Ideen zustande kommen.

Ideenfindung ist sicher auch ein wichtiger Aspekt von Systems Engineering. Aber einen anderer Aspekt fand ich im Vortrag fast noch interessanter: Der Vortrag beginnt mit einer Rube-Goldberg-Maschine. Das ist eine unnötig komplexe Maschine ohne genaueren Zweck, in der sich eine Kettenreaktion entfaltet. Und so eine Maschine ist kompliziert, und hat eine signifikante Komplexität. Dies sind Eigenschaften, die wir auch im Systems Engineering finden. Weiterhin besteht so eine Maschine aus vielen Teilen. Die gezeigte Maschine besteht aus 130 Elementen.

Nun hat sich OK Go gefragt, wie zuverlässig so eine Maschine ist. Oder genauer, wie zuverlässig sie sein muss, damit sie die Bandmitglieder nicht in den Wahnsinn treibt.

Statistik

Um die Zuverlässigkeit zu ermitteln, ging OK Go zunächst von einer Zuverlässigkeit von 90% pro Teil aus. Die Mathematik ist einfach, 0,9130. Das Ergebnis ist erschütternd: Bei nur einem von einer Million Versuchen würde statistisch gesehen keines der Teile versagen. Selbst bei 99% pro Teil wären vier Versuche notwendig.

Selbst bei 99% Zuverlässigkeit pro Teil versagt eine Maschine mit 130 Teilen in 75% aller Fälle Twittern

OK Go hat das gemacht, was viele Systems Engineers tun würden: Sie haben gekapselt und sich zunächst auf die Teile fokussiert, um diese hochzuverlässig zu machen. In dieser Phase verändert die Band die Teile dann zum Teil noch erheblich, oder verwirft diese. Erst dann haben sie sich überlegt, wie die hochzuverlässigen Teile zusammengesetzt werden könnten.

Natürlich hat jemand, der eine Rubert-Goldberg-Maschine baut, einen Vorteil: schließlich muss keine vorgegebene Funktion umgesetzt werden. Es gibt lediglich die nichtfunktionale Anforderung: „Es muss Spaß machen und überraschen“.

Ideenfindung

Dieser Prozess erklärt auch, warum die Band eher bescheiden sagt, dass sie die Ideen entdeckt, und nicht erfindet. Und dieser Entdeckungsprozess ist ebenfalls etwas, was oft im Systems Engineering eingesetzt wird: Prototypen nutzen. Wenn OK Go eine Idee hat, dann wird diese einfach ausprobiert: Zum einen um herauszufinden, ob die Idee wirklich den gewünschten Überraschungseffekt hat. Aber auch um sicherzustellen, dass die Idee 100% zuverlässig ist.

We use a Sandbox to find ideas that are not just surprising, but surprisingly reliable (OK Go) Twittern

Fazit

Über einen letzten Aspekt spricht die Band nicht, aber meiner Meinung nach ist dieser mindestens genauso wichtig wie alles andere: Begeisterung. Doch die Begeisterung ist klar erkennbar. Auch neulich in der Keynote von Marco Schmid beim ESE-Kongress 2017 war die Begeisterung zu spüren, die zum Erfolg des beschriebenen Projekts führte.

Über Musikgeschmack kann man sicher streiten, aber die Videos von OK Go sollten jeden Systems Engineer begeistern.

Bild: TED / OK Go

Dieser Artikel erschien zuerst bei se-trends.de.