Weihnachtswünsche eines Systems Engineers

Die Feiertage sind ja ein guter Anlass, um Wünsche zu äußern. Im Systems Engineering gibt es noch viel zu tun, und daher auch viel zu wünschen. Wenn ich mir allerdings die ganzen Konflikte und Krisen in der Welt anschaue, so ist mein allergrößter Wunsch eine glückliche friedliche Welt.

Trotzdem: Hier ist meine Systems Engineering-Wunschliste:

1. Offenheit im Systems Engineering

Als Ingenieur möchte ich mich auf das Problem fokussieren, und nicht auf das „Drumherum“. Damit meine ich Werkzeuge, Interoperabilität, usw. Das ist für mich „Mittel zum Zweck“. Offenheit in diesem Bereich bedeutet offene Standards, offene Werkzeuge und offene Formate. Zum Beispiel hat sich UML inzwischen als Standard etabliert. Das bedeutet, dass es (vergleichsweise) leicht ist Leute zu finden, die UML beherrschen. Mit dem Austausch von UML ist es leider noch so eine Sache.

Es hat sich in diesem Bereich schon viel getan, aber es kann immer noch mehr sein! Ich freue mich auf viele spannende Entwicklungen nächstes Jahr!

2. Coole Erfolgsgeschichten

Klar, es gibt tolle Erfolgsgeschichten aus dem Systems Engineering, wie die Øresund Bridge, zum Beispiel. Ich wünsche mir mehr solcher Geschichten. Im Moment passieren tolle Dinge: private Raumfahrt, autonome Fahrzeuge, und vieles mehr.

Toll wäre, wenn die Themen auch unter dem Gesichtspunkt Systems Engineering mehr diskutiert werden würden, insbesondere die erfolgreichen Projekte. Leider ist Systems Engineering immer noch nicht so richtig im Fokus.

3. Industrielle Verwertung von Forschungsergebnissen

Forschung ist so eine Sache: Dort werden tolle Dinge gemacht – die leider oft weit von der Industrietauglichkeit entfernt sind. Damit will ich nicht sagen, dass es nicht Erfolge gibt, aber wir brauchen mehr: Schließlich bilden die Universitäten die nächste Generation von Ingenieuren aus. Ich war an mehreren Forschungsprojekten beteiligt, zum Beispiel Deploy und openETCS. Deploy hat meiner Meinung nach wertvolle Ergebnisse geliefert, die aber primär für die Lehre, und nicht den industriellen Einsatz geeignet waren. openETCS hat wesentlich stärker die Ziele der Industrie unterstützt, die Ergebnisse sind aber unvollständig und ohne eine erhebliche Nacharbeit nur von sehr begrenztem Wert.

4. Der Durchbruch des Requirements Interchange Formats (ReqIF)

Und diesen letzten persönlichen Wunsch muss ich natürlich auch mit aufnehmen: Ich war schon frühzeitig an der Entwicklung von ReqIF beteiligt und habe dessen Open Source Referenzimplementierung, das Eclipse Requirements Modeling Framework (RMF), mitbegründet. Darauf basiert auch das kostenlose Werkzeuge formalmind Studio, welches sich inzwischen ebenfalls weit verbreitet hat (schamlose Eigenwerbung).

Die erste Version von ReqIF wurde 2004 unter dem Namen RIF veröffentlicht. Auch wenn inzwischen alle großen Anforderungswerkeuge wie DOORS, Polarion oder Integrity ReqIF unterstützen, so lässt die weite Verbreitung immer noch auf sich warten. Aber ich habe die Hoffnung, dass 2016 das Jahr werden könnte, in dem ReqIF weite Verbreitung erlangt.

In dem Sinne wünsche ich allen Lesern ruhige und entspannte Feiertage.

Dieser Artikel erschien zuerst bei se-trends.de.