Meine fünf Highlights beim TdSE 2016

Der Tag des Systems Engineering (TdSE) ist die größte Konferenz zum Systems Engineering in Deutschland. Diese Konferenz hat sich aus der GfSE-Mitgliederversammlung heraus gebildet, die inzwischen ein Anhängsel ist. Als Systems Engineer bin ich dort natürlich auch als anwesend – als Besucher und als Vortragender. Dazu gleich etwas mehr. Der TdSE findet jedes Jahr an einem anderen Ort statt. Dieses Jahr stellt dafür die Schaeffler AG ihre Räumlichkeiten in Herzogenaurach bereit. Die Veranstalter stellen übrigens einen kostenlosen Pendelbus nach Nürnberg zur Verfügung, da dort voraussichtlich die meisten Teilnehmer übernachten werden.

Mitten in der Woche

Der einzige Wermutstropfen der Veranstaltung ist die ungünstige Lage mitten in der Woche: Der TdSE beginnt am Dienstag, dem 25. Oktober und endet am Donnerstag, dem 27. Oktober. Damit ist die Woche für andere Aktivitäten eigentlich verloren.

Eigenwerbung: Ich veranstalte am Freitag, dem 28. Oktober ein Seminar zum Requirements Interchange Format (ReqIF) in Nürnberg. Diese Veranstaltung lässt sich gut mit dem Besuch des TdSE kombinieren. Leser meines Blogs sparen €50 mit dem Coupon TRENDS16. Mehr Infos >>

Meine TdSE-Highlights

Leider liegt das Programm zur Zeit nur als PDF vor und ist eher kompakt gehalten. Die folgende Auswahl basiert daher nicht nur auf dem Programm, sondern auch meiner Erfahrung mit den Dozenten, sowie meinen aktuellen Interessen. Insofern ist das Folgende eine eher subjektive Auswahl.

Highlight 1: Tutorial von Dr. David Endler

Ich musste inzwischen erfahren, dass das Tutorial von David Endler aus Termingründen leider nicht stattfinden kann. Tut mir leid, wenn ich hier jemanden falsche Hoffnung gemacht haben sollte!

Wer David Endler kennt, der weiß, warum seine Sessions regelmäßig ausgebucht sind. In extrem unterhaltsamer und pragmatischer Weise bringt er einem komplexe Themen praxisnah bei. Und auch diesmal ist er wieder dabei, mit dem Thema Systems-of-Systems Engineering. Das ist ein sehr zeitgemäßes Thema. Ein Beispiel für ein Systems-of-Systems ist zum Beispiel der Straßenverkehr, wie viele Systeme (einzelne Autos, Ampeln, etc.) miteinander interagieren. Bezeichnend dabei ist, dass sich das Verhalten des Gesamtsystems (Straßenverkehr) nicht von den Einzelsystemen (Autos, Ampeln) ableiten lässt. Im Zuge der Entwicklung von autonomen Fahrzeugen und steigender Vernetzung sicherlich ein hochinteressantes Thema.

Highlight 2: Funktionale Architekturen

Zum Thema funktionale Architekturen gibt es mehrere Vorträge. Die TU Hamburg-Harburg ist mit dem Vortrag „Physische Architekturen variantengerecht aus Funktionalen Architekturen für Systeme (FAS) spezifizieren“ vertreten. Aber besonders interessiert mich der Vortrag „Verhaltensregeln für FAS: Systemverhalten anhand funktionaler Architekturen betrachten„, der von fünf Dozenten vorgetragen wird, einschließlich Tim Weilkiens und Jesko Lamm. Zu deren aktuellem Buch „Model-Based System Architecture“ hatte ich kürzlich eine Rezension geschrieben.

Funktionale Architekturen sind gerade in der heutigen, schnelllebigen  Welt sehr wichtig. Denn diese fokussieren sich auf die zu realisierende Funktion, und nicht die Technik, die dafür eingesetzt wird. Auch wenn sich die Technik schnell weiterentwickelt, so bleibt die vom Kunden gewünschte Funktion doch bestehen. Daher ermöglicht funktionales Denken eine Kontinuität, die heutzutage wichtiger denn je ist.

Ein weiterer Vortrag ist „Modellbasierter mechanischer Konzeptentwurf: Ergebnisse des FAS4M-Projektes„, an dem Tim Weilkiens neben drei weiteren Dozenten ebenfalls beteiligt ist.

Highlight 3: Vorträge von thyssenkrupp Marine Systems

Letztes Jahr gab es eine Keynote von thyssenkrupp Marine Systems (tkMS), wo deren visionärer Ansatz einer integrierten, modellbasierten Systementwicklung vorgestellt wurde. Diesmal gibt es zwar keine Keynote, aber zwei Vorträge, die mich sehr interessieren. Aus der organisatorischen Sicht berichten Christian Knop und Simon Milewski vom Aufbau eines Systems Engineering Offices, „Die Gestaltung eines Systems Engineering Office als zentrale Veränderungsinstanz bei der unternehmensweiten Einführung von Systems Engineering„. Und aus fachlicher Sicht stellen Marco di Maio, Martin Hoppe und Eren Erkul ein Konzept vor, um Abhängigkeiten im RE zu reduzieren: „Cutting the Cross-Cutting Part 1: Requirements Management„. (Offenlegung: Ich bin beratend für tkMS tätig.)

Highlight 4: Chris Rupp und Colin Hood

Wer an neuen Ideen und visionären Einsichten interessiert ist, der sollte sich die folgenden zwei Vorträge vormerken: Chris Rupp hält den Vortrag „Smart REco – Anfoderungsanalyse 4.0„. Mir ist nicht sicher, was Smart REco ist, aber ich bin überzeugt davon, dass wir neue Wege in der Anforderungsanalyse brauchen. Wer Chris Rupp kennt, der weiß, dass ihre Vorträge nie langweilig sind.

Ebenso sind die Vorträge von Colin Hood ebenfalls immer extrem unterhaltsam, während sie gleichzeitig viele neue Impulse geben. Der Titel sagt alles: „The V-Model is Dead. Long Live the V-Model!“ Auch hier erhoffe ich mir gute Einsichten – nicht zuletzt, weil meiner Meinung nach das V-Modell oft falsch verstanden wird.

Hoffentlich ein Highlight: Mein eigener Vortrag

Und zuletzt möchte ich natürlich auch auf meinen eigenen Vortrag hinweisen: „Modellierung von Anforderungen: Der erste Schritt zu MBSE„. Ich bin überzeugt davon, dass Modellierung die Zukunft des Systems Engineering ist. Dies wird unter anderem davon bestätigt, dass das Thema in der SE-Vision 2025 der INCOSE eine große Rolle spielt; und aus dem Grund bin ich auch Mitorganisator des Modeling Craftmanship Camp am 19.11.2016 in Hannover (Sorry, schon wieder Eigenwerbung!).

Meine Kernaussage ist, dass sich viele Organisationen bei der Einführung von MBSE übernehmen, und daher vom Ergebnis enttäuscht sind. Mein Vorschlag ist, sich wirklich erst auf die Modellierung von Anforderungen zu fokussieren und von dort dann MBSE auszubauen. Diese These wird mit zwei konkreten Fallbeispielen untermauert und belegt.

Fazit

Es wird eine spannende Woche in Herzogenaurach. Ich feue mich jetzt schon auf spannende Vorträge und einen regen Austausch mit Kollegen.

Titelbild: Fehnturm in Herzogenaurach
Quelle: Howwi, CC BY-SA 3.0, Wikimedia

Dieser Artikel erschien zuerst bei se-trends.de.

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