Wegweisende Änderungen bei Eclipse Papyrus?

Das kann aus einem kurzem, markanten Spruch werden: Ende letzten Jahres fragte mich jaxenter, welches Software-Produkt mich 2015 enttäuscht hat. Ich kam leider nicht umhin, hier Papyrus zu nennen, eine Eclipse-Komponente für die Modellierung in UML und SysML. Diese Aussage wurde vom Papyrus-Blog aufgenommen, worauf hin jaexenter einen respektvollen Dialog auf Deutsch und Englisch mit Charles Rivet organisierte. Ich möchte hier nicht wiederholen, was dort schon diskutiert wurde. Statt dessen möchte ich hier zusammenfassen, was sich bei Papyrus dieses Jahr geändert hat, und warum ich hohe Erwartungen für das Neon-Release habe.

Was ist Papyrus?

Papyrus ist vieles: Im Markt wird es als UML-Modellierungswerkzeug wahrgenommen. Das ist zwar etwas dran, aber das erfasst es nicht ganz. Ja, man kann es herunterladen und sofort beginnen zu modellieren. Das ist aber noch gar nicht so lange möglich, denn ursprünglich war Papyrus eine Komponente, die zu bestehenden Eclipse-Installationen hinzugefügt werden konnte.

Es wird übrigens nicht nur UML unterstützt, sondern auch SysML. Und es gibt viele Erweiterungen, wie die Erweiterung für Echtzeitmodellierung (RT).

Missverstanden: Papyrus ist ein Framework, kein Werkzeug

Bis vor kurzem wurde Papyrus von den Entwicklern als eine zu verbauende Komponente angesehen, eine Framework-Technologie. Als solche ist es auch hervorragend geeignet. Das wurde jedoch nicht gut kommuniziert, wie auch Charles Rivet einräumt. Daher ist es auch nicht verwunderlich, dass die Nutzer frustriert wurden.

Papyrus was presented as an all-encompassing UML-based modeling tool, whereas many of us now believe that it should have been presented as a framework or platform (Charles Rivet)

Dies soll von dem Bild oben suggeriert werden, welches aus dem Elevator Pitch Video stammt. Dort wird es auf einer Treppe angeordnet, was suggeriert, dass Nutzer sich eine Werkzeugplattform nicht vom Null-Punkt aufbauen müssen, sondern mit einer soliden Basistechnologie starten können. Es zeigt aber auch, dass noch einige Treppenstufen investiert werden müssen, um an das Ziel, eine funktionierenden Werkzeugkette, zu kommen.

Open Source wird erwachsen

Trotz dieses Kommunikationsproblems ist es schon erstaunlich, was wir inzwischen für Erwartungen an kostenlose, bzw. Open Source-Software haben. Und das ist sicher auch einer der Gründe für meinen anfänglichen Kommentar. Denn es ist schon beeindruckend, was Papyrus leistet. Was mich besonders freut ist die standardkonforme Umsetzung der Standards UML und SysML: Ich war schon immer ein Verfechter dafür, zu Standards eine Open Source Referenzimplementierung bereitzustellen (was auch einer der Gründe ist, warum ich das Eclipse Requirements Modeling Framework mit ins Leben gerufen habe).

Der Game-Changer: Papyrus Industrial Consortium

Dass Open Source erwachsen ist und mit einem soliden Geschäftsmodell untermauert werden kann, will das Papyrus Industrial Consortium (IC) zeigen. Das IC setzt sich aus vier Gruppen zusammen: Nutzern, Anbietern, Mitwirkenden und Hochschulen. Das IC hat starke Partner und verfügt damit über genug finanzielle und personelle Resourcen, um wirklich etwas zu bewegen. Da das IC gerade erst die Arbeit aufnimmt, wird es zum ersten Mal auf das Neon-Release Einfluss nehmen.

Hohe Erwartungen an Papyrus Neon

Charles Rivet gibt einen Ausblick auf das, was wir in Neon erwarten können. Installation und allgemeine User Experience sollen verbessert werden, um den Einstieg zu erleichtern. Weiterhin es Produktlinien geben. Die dadurch spezialisierten Werkzeuge hätten einen klareren Fokus, was deren Mehrwert erhöhen würde.

Meine Empfehlung

Schon bei dem Schritt von Kepler zu Luna hat sich bei Papyrus einiges verbessert, und auch von Mars höre ich viel Gutes. Ich gehe davon aus, dass wir in Neon viele Verbesserungen sehen werden. Auf diese Version nimmt das IC zum ersten Mal Einfluss. Da mit Neon auch ein Versionssprung von 1.x zu 2.0 stattfinden wird, empfehle ich allen Interessierten, die warten können, direkt mit Neon durchzustarten, welches im Juni 2016 veröffentlicht wird. Sobald es verfügbar ist, werde ich es evaluieren und hier vorstellen.

Dieser Artikel erschien zuerst bei se-trends.de.

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