Digitalisierung? Kenne ich nicht!

Alle reden von „Digitaler Transformation“ und ähnlichen Buzz-Words. Neu ist das alles wirklich nicht. Schließlich hat die Digitalisierung schon vor vielen Jahrzehnten angefangen. Das Internet gibt es übrigens auch schon seit den70ern.

Doch dafür, dass es höchste Zeit wird – besonders in Deutschland – sehen wir hier hauptsächlich Lippenbekenntnisse und oberflächliches Kaschieren. Was tun?

Zu diesem Thema meldet sich mal wieder Gunter Dueck zu Wort, der schon mehrfach auf der ReConf als Keynotesprecher zu hören war. In seinem iX-Artikel „Innovate if you must“ lässt er sich zu diesem Thema aus. Wie immer mit viel Humor geschrieben, steckt doch viel schmerzhafte Wahrheit darin.

Wo ist die deutsche Digitalwirtschaft?

Amazon und Google wurden vor zwanzig Jahren belächelt, inzwischen hat das Lächeln aufgehört. Doch es wird nach wie vor mehr geredet als getan. Autonome Fahrzeuge sind dazu ein gutes Beispiel. Während die deutschen Automobilhersteller noch in der Planungsphase sind, hat Google bereits Millionen von Kilometern autonom zurückgelegt und einen autonomen Taxiservice ins Leben gerufen, der zur Zeit in der Pilotierung echte Kunden transportiert.

Ein großes Problem ist die Scheu vor Risiken. Denn statt große Risiken – mit möglicherweise großem Gewinn – einzugehen, werden lieber Sparmaßnahmen ergriffen und der Vertrieb mobilisiert. Das hat bisher schließlich immer funktioniert.

Was tun?

Gunter Dueck hat viele sehr konkrete Vorschläge, wie wir endlich tätig und von den verfluchten Powerpoint-Präsentationen wegkommen können. Schließlich gibt es erfolgreiche, profitable deutsche Internet-Firmen, die der Inspiration dienen können (Pixabay, MyHammer), und auch an aktuellen Themen, mit denen sich Geld verdienen lässt, mangelt es nicht.

Die Politik der Gießkanne hilft da natürlich nur in Grenzen. Ich finde es immer wieder erschreckend, wenn Fördergelder bereitgestellt und nicht abgerufen werden. Das weist auf tiefer liegende Probleme hin.

Meta-Aktivismus

Das Problem gerade in den Konzernen ist, dass diese ein großes Ergebnis haben wollen. Am besten wie in der Pharmazie: Ein Medikament wird nur dann entwickelt, wenn es ein Marktpotential von einer Milliarde Dollar hat. Doch alle Ideen und Produkte haben mal klein angefangen.

Dieser Ansicht von Gunter Dueck kann ich mich nur anschließen, und hier sehe ich ein großes strukturelles Problem in Deutschland: Um große, erfolgreiche Konzerne zu bekommen, braucht man kleine Konzerne, und die waren mal große Firmen und davor waren sie Mittelstand. Doch der wird schon lange nicht mehr so gefördert, wie es Not tun würde.

Bildquelle: re:publica (über Wikimedia)

jastram

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