Der Effekt der Enterprise-Agilität auf das Systems Engineering

Agilität und Agile Transformation sind Themen, die längst über die Softwareentwicklung oder die IT hinaus an Bedeutung gewonnen haben. Dazu äußerte sich kürzlich Isaac Sacolick, einem der Vordenker in diesem Bereich. Im Folgenden untersuche ich, was dies für das Systems Engineering bedeutet.

Isaac Sacolick hat das hervorragende Buch Driving Digital geschrieben, in dem er sehr konkret beschreibt, wie eine digitale Transformation konkret von einem CIO umgesetzt werden kann.

Unter dem Begriff Driving Digital 2025 arbeitet er an seinem nächsten Buch. Motiviert wurde dies durch die Beobachtung, dass es in der Praxis große Probleme mit der Digitalisierung gibt. Zum Beispiel sagten 54% aller CIOs in einer KPMI-Befragung, dass die Ausrichtung zwischen IT und Unternehmensführung sich tendentiell verschlechtert. 78% der CIOs berichteten von einem bestenfalls moderaten Einfluss derer Transformationsinitiativen. Wie ist das möglich, da Digitale Transformation inzwischen Mainstream ist und entsprechend investiert wird? Ein wichtiger Grund ist:

Transformation ist schwer, und es ist nicht leicht, die richtigen Leute zu finden.

Doch darüber hinaus gibt es konkrete Gründe und Möglichkeiten, die Situation zu verbessern, zum Beispiel:

  • Beschäftigen wir uns mit Transition oder Transformation? Das erste ist bspw. der Wechsel von einer Technologie zu einer anderen, das zweite ist eine grundlegende Veränderung.
  • Worauf kommt es wirklich an? Es gibt viel, was unsere Aufmerksamkeit auf sich zieht. Wir dürfen uns nicht verzetteln.
  • Umgang mit Technical Debt: Erweitern wir unser IT-Portfolio kontinuierlich, oder pflegen wir es auch? Werden nicht benötigte Systeme abgeschaltet?
  • Ziehen wir die Menschen mit ein?
  • Haben wir die entsprechenden Daten, die unsere Aktivitäten rechtfertigen?

Systems Engineering

Auch im Systems Engineering steigt sowohl der Druck, konkrete Ergebnisse zu liefern, die für den Geschäftserfolg wichtig sind, als auch mit steigender Komplexität und Kundenerwartungen umzugehen. Vieles von dem, was Isaac empfiehlt, wirkt sich auch unmittelbar auf das Systems Engineering aus. Konkret:

  • Wir müssen damit rechnen, dass bestehende Technologien obsolet werden und daher ersetzt werden müssen. Das bedeutet, dass Modularisierung (auf Entwicklungsebene) wichtiger denn je ist, damit sich die Auswirkungen von Änderungen in Grenzen halten.
  • Bei der Entwicklung muss der Nutzen für die Stakeholder im Vordergrund stehen. Daher ist es auch so wichtig, die Nachverfolgbarkeit zu den Kundenanforderungen zu erhalten und zu nutzen. Isaac meint dazu, wir müssen dafür sorgen, dass Architekten sich Gedanken über den Kunden machen.
  • Wir müssen unsere Systeme kontinuierlich modernisieren und „Technische Schulden“ systematisch begleichen.
  • Wir müssen den Menschen einen Rahmen geben, in dem sie selbstständig am Geschäftserfolg mitwirken können.
  • Wir dürfen nicht raten, sondern müssen Entscheidungen mit entsprechenden Metriken belegen.

Ich sagte es schon mal, und sage es wieder: Ohne die richtigen Menschen läuft nichts. Daher ist es wichtig, entsprechend die Menschen mit einzubeziehen, Freiräume zu geben und eine gemeinsame Ausrichtung zu geben. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass alle verstehen, welche Aspekte des Systems lediglich „gut genug“ sein müssen, und welche wirklich einen Wettbewerbsvorteil ausmachen.

Fazit

Gerade auf Führungsebene gibt es viele Ähnlichkeiten zwischen SE und IT bezüglich dem, was für eine erfolgreiche digitale Transformation zählt. Insbesondere muss es ein gemeinsames Verständnis dafür geben, was am Ende des Tages wirklich zählt. IT und SE werden selbst entscheiden, was dafür gemacht werden muss.

Bildquelle: Transformation 2025

Michael Jastram

Creator and Author of SE-Trends